Vergesst das Ryssblei! Aber ehret das Baseldytsch!

von Martina Rutschmann — bz Basel  Zuletzt aktualisiert am 17.11.2017

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Schnitzelbänke sind ein wichtiges Exportgut der Fasnacht. Höchste Zeit, an der Qualität zu schrauben. An einem Seminar haben potentielle Dichter erfahren, worauf sie achten müssen. Sie kamen auf die Welt.

Beim Bier ein paar Verse aufs Tischtuch kritzeln und an der Fasnacht dann mit einer Larve aus dem Brockenhaus von Beiz zu Beiz ziehen, nee! So geht das nicht! Der Aufwand ist viel grösser, selbst dann, wenn man nur mittelmässig gut sein will und sich mit einem halbwegs zufriedenen Publikum begnügt.

Das haben aktive und zukünftige Schnitzelbänkler erfahren, als sie am Mittwochabend am Bangg-Seminar des Comité 1914 bei der UBS teilnahmen. Diese Vereinigung hiess übrigens mal Comité 2000, aber das ist Geschichte. In dreissig Jahren weiss das niemand mehr und dann meinen alle, es handle sich um eines der ältesten Schnitzelbank-Comités der Stadt.

Goschdym, Helge, Larve

Es ist ein bisschen wie mit dem Ryssblei: Wer weiss heute noch, was das ist? Ein Bleistift ist es. Einer der ganz grossen Bänkler, wir nennen hier in guter Fasnachtstradition keine Namen, hat den Seminarbesuchern zwar ans Herz gelegt, das richtige Baseldytsch zu pflegen, von einem Ryssblei aber will auch er nichts mehr wissen. Man muss ja mit der Zeit gehen, ein bisschen jedenfalls. Was wichtig bleibt sind d Goschdym, d Helge und d Larve. Bitte ohne Apostroph. 

Das Comité 2000 hat bewusst einen Abend für alle organisiert, auch für Leute, die anderen Vereinigungen angeschlossen sind oder gar nichts mit Schnitzelbänken zu tun haben. «Die Qualität ist nie so hoch, wie man sie gern hätte", sagt Ricky Hubler, der das Comité 1914 präsidiert. Er müsse sich manchmal gar fremd schämen, wenn er andere Bänke hört. Wichtig sei aber nicht nur ein Vers, der sitzt, sondern das Gesamtpaket. Stichwort: identitätsstiftend.

Die ewigenSuperstars

Und die Pointe, die muss überraschen. In jedem Fall. Idealerweise kombiniert der Dichter zwei Themen. Doch es geht auch anders, wie dieses Beispiel vom legendären Zytigs-Anni aus dem Jahr 1976 zeigt:
 

Dr Paabscht verbietet d Luscht bim Liebe,
dörfsch au nümm an dir sälber iebe.

Au s Schwuul-Syy findet äär nit guet,
mei die Bischöff hänn e Wuet.

Herr Paabscht: e Ruggdritt wär seer schlau,
und saage sy e Gruess dr Frau.
 

Eine Zwischenpointe jagt die nächste, top! S Zytigs-Anni gehört ebenso zu den Klassikern wie s Stachelbeeri oder dr Singvogel. Nur Letzteren gibt es noch.

Hubler wünscht sich, dass er bald Konkurrenz von neuen Top-Bänken bekommt. Auf dem Weg dahin müssen die Bänkler nebst dem Gesamtbild unter anderem auch Wert legen auf das liebevolle Drechseln der Verse.

Zum Beispiel muss die Pointe dort gesetzt werden, wo die Melodie es logisch verlangt. Dieses Beispiel zeigt: Es braucht ein Gefühl für diese Kunst, denn: Was ist schon logisch? Und die Bereitschaft, lange vor der Fasnacht an den Versen zu arbeiten, muss da sein. Italien und die WM etwa, ein Thema, das laut Hubler garantiert ausgespielt wird. Jeder Bänkler notiert sich die potentiellen Sujets lange, bevor gedichtet wird. Gedichtet wird dann bis kurz vor der Fasnacht.

Bier ja, aber mit Grips

Was die Instrumente angeht, so raten die Profis, auf Bewährtes wie Handorgel oder Gitarre zu setzen. Denn Experimente, die allenfalls in die Hosen gehen, passen nicht zur Fasnacht. Auch mit den derzeit beliebten Langversen sollten die Formationen sparsam umgehen und «das Publikum nicht unnötig belasten». Faustregel: Ein Langvers pro Auftritt reicht vollkommen. Oder anders gesagt: «Fünf gute Verse sind besser als zehn, von denen nur fünf gut sind.»

Trotz hohen Ansprüchen ans Schnitzelbank-Dasein lernte Hubler an seinem Seminar drei «vielversprechende Personen» kennen, mit denen das Comité 1914 nun in Kontakt steht. Ob dann wirklich was draus wird, zeigt sich allerdings erst im Februar. Bis dahin sind die bestehenden Gruppen gefordert, das Beste aus sich herauszuholen. Beim Bier ja, aber mit Grips.

 

Das «Zundhölzli/Brandloch» ist zurück

15.2.2016, TagesWoche/Basel / Naomi Gregoris

Letztes Jahr musste die beliebte Fasnachts-Bar «Zundhölzli/Brandloch» eine Zwangspause einlegen. Jetzt ist sie wieder da: In alter Frische, an neuem Standort.

Es kann losgehen!: Präsident Michel Lason in der liebevoll mit alten Helgen dekorierten Bar.

Sechs Jahre lang zählte die Bar «Zundhölzli/Brandloch» am Unteren Heuberg 2 zu den beliebtesten Stationen an der Fasnacht. Das Lokal der «Aabrennte», die zu einem Lehrauftritt an die Harvard University reisten, war bei Fasnächtlern und Nicht-Fasnächtlern gleichermassen beliebt und stets rappelvoll.

2015 kam das überraschende Aus: Es gab einen Mieterwechsel in der Liegenschaft, der neue Mieter hatte kein Interesse daran, den Veranstaltern das Lokal zur Verfügung zu stellen. Die Verantwortlichen machten sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort, fanden aber nichts, was für die Fasnacht 2015 gereicht hätte.

Gute Chemie, perfekte Grösse

Auf den Artikel in der TagesWoche meldeten sich dann aber doch einige Leute, unter anderem der Betreiber des Wein & Design am Rheinsprung 1. «Die Chemie passte sofort und auch die Grösse war perfekt», meint Michel Lason, der Präsident des Vereins «Zündhölzli/Brandloch».

Nach der «Zwangspause» letztes Jahr habe die Fasnachtsbeiz nun endlich wieder ein neues Daheim an einem zentralen Standort. Der spätabendliche Treffpunkt für Fasnachtsfans und Schnitzelbägg ist dieses Jahr also wieder gesichert.

 

Comité 1914, Sujet 2016: „Wenn me das nimm darf!“

20. Januar 2016 | Von Lucien Graf | Kategorie: Medienmitteilungen/fasnacht.ch

 

Die Aktivitäten der Mitglieder des Comité 1914, bei welchen es sich vornehmlich um Schnitzelbänggler handelt aber auch eine Clique, drei Guggenmusiken und die IG Chaise zu seinen Aktivmitgliedern zählt, sind bereits in der Vorfasnachtszeit immens. Die Gwäägi feiern im „Charivari“, erstmals fünfstimmig, tolle Erfolge, während auf gleicher Rheinseite im „Mimösli“ das Bangg-Ghaimnis seine Verse vorträgt. Am „Rahmdäfeli“ in Liestal singen d Stroofrichter und d Ständerlampe und als Basler Exportartikel wirken auch im Casino Theater Winterthur einige Comité 1914-Bänggler mit.

Bereits zum dritten Mal findet am Samstag, 13. Februar 2016 ihre eigene Vorfasnachtsveranstaltung „Sepplete“ im Stadthof statt. Dort wirken d Muulwiirf, d Gwäägi, die Aabrennte, die Antiquierte, s Bangg-Ghaimnis, d Ständerlampe sowie einzelne befreundete Schnitzelbängge anderer Vereinigungen mit. Das Programm umfasst nebst diesen auch musikalische Leckerbissen, spielen doch d Naarebaschi und d Gwäägi, diesmal trommlerisch und mit den Highlander Basel, welche ebenfalls dem Comité 1914 angehören, ist auch die schränzende Guilde mit schottischem Einschlag vertreten.

Zeitgleich findet in der Kaserne die „Aabrennte-Stubete“ seine Durchführung. Auch an dieser Vorfasnachtsveranstaltung sind die Bänggler des Comité 1914 vertreten.

Zyschtigsfescht in dr Saffere
Der Striggede-Ball gehört der Vergangenheit an. Neu wird der Event im grossen Saal in der Safran-Zunft als Zyschtigsfescht bezeichnet. Der Name hat geändert, das Prinzip bleibt jedoch in etwa gleich. Die fast 300 Gäste dürfen sich auf ein gediegenes Menue und einen abwechslungsreichen, unterhaltsamen Abend mit allen Comité 1914 Bängg, Tam Tam (Bängg fir Basel), s Schunggebegräbnis und den Comité-Bängg dr Spitzbueb, dr Pierrot, d Schlyffstai freuen. D Negro Rhygass und d Highlander Basel spielen ebenfalls gross auf und für gediegene Tanzmusik wurde gesorgt. Durch das Programm führen Peter Blome und Dani vo Wattenwyl. Es sind noch wenige Ticketts erhältlich.

Schnitzelbangg-Corso ausverkauft
Auch nicht zum ersten Mal organisiert das Comité 1914 den Schnitzelbangg-Corso. In vier „Baizen“ findet am Fasnachtsmittwoch zwischen 11:30 Uhr – 14:30 Uhr ein 3-Gang-Menu mit Bängg statt. Moderiert wird der Anlass in den verschiedenen Lokalitäten von Peter Blome, Georges Merkofer, Bernhard Bäumer und Hanspeter Fontana. Der Platz kostet 100 Franken ist jedoch bereits völlig ausverkauft!

Wo trifft man d Bängg vom Comité 1914
Es wurden zwei verschiedene Plakate gedruck und hängen an den Lokalen, in welche die Bänggler einkehren. Sie vernachlässigen das Kleinbasel nicht und singen im Plaza, Hahn, Torstübli, Häbse-Theater, Rheinfelderhof, Café Spitz und Volkshaus. Im Grossbasel sind es der Stadthof, die Walliserkanne, Fauteuil, Saferen Zunft, Aeschenplatz, Kohlmanns, Casino, Atlantis, Kunsthalle, Schlüssel etc. Die Formationen treffen sich nach getaner Arbeit im Gerbergässlein 29 im Parterre oder können im neuen „Brandloch“ auf dem Rheinsprung angetroffen werden. Zu später Stunde kommt man dort sicherlich noch in den Genuss des einen oder anderen Schnitzelbanggs.

Me het e Blaggedde
Für die Mitglieder ist es eine Selbstverständlichkeit, dass man die aktuelle Plakette des Comité 1914 am Revère trägt. Aber auch Freunde und Gönner der Vereinigung können diese käuflich erwerben. Die Plakette kostet 10 Franken und kann in der Verkaufsstelle im Restaurant Stadthof oder bei jedem Comité 1914-Mitglied bezogen werden.

Die „Blaggedde“ welche wiederum von Benny Füglistaler gestaltet worden ist, zeigt das berühmte urinierende Männchen vom Schlüsselberg. Das dazu gehörende Motto: „Wenn me das nimm darf!“ ist ein geflügeltes Wort alter Comité 2000 Zeiten. Die diesjährige Plakette gilt zudem als Hommage an den im vergangenen Jahr verstorbenen Gründervater Karli Schweizer.

 

aus fasnacht.ch / februar 2014

 

Comité 2000 geht „retro“ und findet Jubiläum 20. Februar 2014 | Von André Auderset Das Comité 2000 nennt sich ab sofort „Comité 1914“ und beruft sich dabei auf eine bisher unbekannte, vor hundert Jahren gegründete Fasnachts-Organisation namens „Schnitzelbank Comité 1914. Man sei nun in die Rechte und Pflichten dieser Organisation eingetreten. Dieses going-retro hat einen unschätzbaren Vorteil: Man kann ein schönes Jubiläum feiern. Mit einem Paukenschlag eröffnete Obmann Karl Schweizer die Medieinorientierung zu kommenden Fasnacht: Ab sofort heisse man „Comité 1914“ und berufe sich dabei auf eine frühere, aber nie aufgelöste Organisation. Stadthofwirt und Comité 2000-Mitglied Sepp Schüpfer habe in seinem Keller uralte Quellen gefunden, welche die Existenz dieser bislang unbekannten Organisation beweisen würden. Man habe sich sofort an die Aufarbeitung dieser Materialien gemacht und danach beschlossen, in die Fussstapfen zu treten und sich fortan „Comité 1914“ zu nennen. Von Ricky Hubler kam der historische Abriss zu dieser historischen Sensation. So sei das „Schnitzelbank Comité 1914“ als Protest gegen die zu starke Reglementierung der Fasnacht durch das 1911 gegründeten Fasnachts-Comité gegründet worden. Damit sei eine starke Parallele zum Comité 2000 gegeben, dass sich 1999 ebenfalls aus Protest gegen das traditionelle Comité konstituierte. Nichts sei also näher gelegen, als hier die Bürde als Rechtsnachfolger anzunehmen. Dass man dann gleich noch ein 100-Jahre-Jubiläum feiern könne, sei – so Hubler – reiner Zufall, aber natürlich nicht unwillkommen. Karl Schweizer konnte dann noch mit vielen Details der bislang unbekannten Organisation aufwarten. So habe man das älteste, noch lebende Mitglied gefunden: der 1902 geborene J. B. (Name der Redaktion bekannt) lebe auch heute noch in Basel. Er habe auch die Zession der Rechte unterschrieben. Weitere Mitglieder, darunter bekannte Fasnächtler wie Otti Rehorek, seien ebenfalls eruiert worden. Und der Obmaa konnte noch eigene Wurzeln nennen: Sein Grossvater Karl Schweizer-Schnyder, als Bürgermeister des Kleinbasels bekannt, sei mit grosser Wahrscheinlichkeit Mitglied gewesen. Zur Fasnacht 2014 selbst nannte Schweizer (der Enkel) elf Schnitzelbänke, eventuell käme noch ein 12. dazu. Neun davon seien bereits an den verschiedenen Vorfasnachtsveranstaltungen aufgetreten, so das man auf spezielle Vernissagen verzichte. Am Fasnachts-Dienstag findet das traditionelle Striggede-Fest statt; der Veranstalter kann den 35. Geburtstag feiern. Am Mittwoch singen die Bänke des Comité 1914 (im neuen Logo übrigens mit Pickelhaube…) über Mittag in den vier Lokalen Stadthof, Hotel Basel, Walliser Kanne und Safran Zunft. Einen Kehrus oder Schlussabend führt man nicht durch. Und nicht unwichtig: Im Gegensatz zum „jüngeren“ Schnitzelbank-Comité berücksichtigt das Comité 1914 weiterhin die traditionelle „Baize“ im Kleinbasel und verweigert sich auch der Telebasel-Aufzeichnung im „Kohlmanns“ nicht.